10.02.2012: Ribeirao Preto, SP (Brasil) – Miles: 6337

In den letzten Tagen wurden in Deutschland reihenweise die Temperaturrekorde gebrochen. Leider nur was die Minusgrade angeht. Als ich diese Woche morgens mit dem Auto unterwegs war zeigte das Thermometer tatsächlich -20°! Das waren ja fast schon Temperaturen wie in Sibirien. Da kam mir diese Woche doch der Auftritt in Ribeirao Preto in Brasilien sehr gelegen. Ich hatte schon vor 2 Jahren einmal in der sehr reichen Stadt, 40 Flugminuten von Sao Paulo gelegen, gespielt und konnte mich noch sehr gut an die freundlichen und feierwütigen Brasilianer erinnern.

Um dort hinzugelangen musste ich aber vorher zuerst einen 24 Stunden Reise-Marathon hinlegen. Ulm – München – Madrid – Sao Paulo Guarulhos – Sao Paulo Congonhas – Ribeirao Preto. Schon in München meinte Frau Holle es etwas zu gut mit uns und wir konnten aufgrund starken Schneetreibens erst mit einer fast zweistündigen Verspätung Richtung Madrid abheben. Damit wurde die Zeit bis zu meinem Anschlussflug nach Sao Paulo recht knapp. Nur 55 Minuten vor Beginn des Weiterflugs landeten wir in der Spanischen Hauptstadt. Der Flughafen Madrid Barajas ist groß, und wenn man es eilig hat, dann ist er richtig groß. Also Trolly in die Hand nehmen und lossprinten. Trotzdem war ich erst 20 Minuten vor Abflug am Gate und konnte als einer der letzten an Bord der schon etwas betagten Iberia-Maschine. Also, wenn ihr die Wahl habt – fliegt niemals mit Iberia! Das Englisch der extrem unfreundlichen Stewardessen klingt eher wie ein dahin geschludertes Spanisch mit ein paar angloamerikanischen Einwürfen. Das Essen ist eine Katastrophe. Meine Pasta war ein undefinierbarer Brei aus Nudeln, Thunfisch und ganz viel cremigem Käse. Kein Bildschirm im Vordersitz. Und um den Film auf den Monitoren, die alle 7 Meter in der Mittelkonsole verbaut waren, zu sehen, brauchst du ein Fernglas. Wenigsten hatte ich einen netten Sitznachbarn, Phil aus London, der für 3 Monate eine Tour durch Südamerika machen will und mich eigentlich nur danach ausfragt, wie denn so die Frauen in Brasilien sind und wo es die schönsten dort gäbe.

 

Nach diversen Flughafenwechseln, Shuttlebussen und Weiterflügen, war ich 24 Stunden nach meiner Abfahrt in Ulm endlich in Ribeirao Preto angekommen und stieg bei 35° und der Sonne im Zenit aus dem Flieger. Also, sofort erst einmal die kurze Hose und T-Shirt an und eine Runde laufen um nach dem langen Sitzen wieder locker zu werden und dann direkt in den Pool auf dem Hoteldach.

 

Ribeirao Preto wird den meisten als Stadt nicht so geläufig sein, ist aber mit seinen 700.000 Einwohnern genauso groß wie Stuttgart – und ganz sicher doppelt so reich. Als ich am Samstag mit den Besitzern des Cinema D und ein paar ihrer Freunde beim essen und danach zu Besuch in deren Häusern war, musste ich mich doch über die dicken Autos und Villen wundern. Und es gibt viele solcher Stadtteile in Ribeirao. Auf Nachfragen erklärten sie mir, dass die Stadt beziehungsweise der Verwaltungsbezirk der weltweit größte Produzent von Zucker aus Zuckerrohr sei. Und viele der jetzigen Bewohner haben von ihren Eltern oder Großeltern sehr viel Grund geerbt, den sie jetzt einfach an die großen Zuckerhersteller verpachten. Für sehr viel Geld! Zu tun haben sie dabei nicht, ab und zu nach dem Rechten sehen und die Buchhaltung kontrollieren. Das war’s. Der Hauptteil der Arbeit wird von den pachtenden Firmen erledigt. Auf meine Frage, was sie denn arbeite, erklärte mir eine junge Frau: „ich arbeite nichts, ich verpachte nur meine 500 Hektar Grund, das reicht“. Umso mehr kann sich die Upperclass dann halt um das Dolce Vita kümmern…

 

Die Kontraste in Brasilien sind groß, besonders wurde mir das wieder bei meiner Fahrt vom nationalen Flughafen in Sao Paulo, Congonhas, zum Internationalen, Guarulhos, klar. Arm und reich leben hier ganz eng beieinander. Hier liegen sehr reiche Viertel, die von einer hohen Mauer umgeben sind und 24 Stunden bewacht werden direkt neben einer der berühmten Favelas, den Slums in den großen Brasilianischen Städten. Es fahren die fetten Mercedes’ direkt an den Brücken vorbei unter denen dutzende von Obdachlosen sich ihre provisorischen Behausungen gebaut haben. Im Fernsehen gibt es eigene Kanäle, die nur über die Polizeiaktivitäten in den Favelas berichten. Aber, ich finde, irgendwie gehört das zu so einer Großstadt dazu. Ich war dort schon oft zu Fuß unterwegs und habe mich nie unsicher gefühlt. Natürlich, wenn du mit einer dicken Rolex an der Hand und einer fetten Brieftasche nachts alleine in einer dunklen Gasse unterwegs bist, ist das schon gefährlich, aber das kann es auch in Berlin oder Paris sein. Ungeachtet dessen, ist Sao Paulo für mich eine wahnsinnig vielschichtige und interessante, energiegeladene Stadt. Viel mehr eine Metropole als Rio. Rio ist eher was für den typischen Touristen. Meer, Strand, Samba, der Zuckerhut usw.… das ist alles nett und macht Spaß, aber nicht umsonst wird Sao Paulo als das New York Südamerikas bezeichnet. Hier passieren die wichtigen Dinge, hier treffen sich die Künstler und Macher Brasiliens.

Am Sonntagnachmittag, endlich wieder am internationalen Flughafen angekommen, musste ich feststellen, dass die Piloten der Iberia im Streik waren und mein Weiterflug am nächsten morgen von Madrid nach München gestrichen wurde. KEIN WUNDER! Glücklicherweise waren sie so kulant und buchten mich auf den Direktflug von Sao Paulo mit der Lufthansa. Was für ein Unterschied! Da fühlt man sich gleich wie zuhause. Der Flieger war neu, die Stewardessen sehr freundlich, das Essen konnte sich auch als ein solches schimpfen und wir waren sogar vor der geplanten Ankunftszeit in München.

Leider bei etwas schattigen -17°…

 


Tags for 10.02.2012: Ribeirao Preto, SP (Brasil) – Miles: 6337

Webdesign Ulm chrissmall Facebook Youtube Soundcloud
Webdesign Ulm