Flashback: April 2011, Ägypten, Hurghada – Miles: 1.890 Miles

Ägypten ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Das Nordafrikaner, speziell Ägypter eine andere Auffassung vom Geschäfte Machen haben, musste ich die letzten Jahre immer wieder von neuem erfahren. Es gab eine Zeit, da muss ich eine recht hohe Bekanntheit im Staat am Nil gehabt haben, denn alle paar Wochen bekam mein Manager eine Anfrage, gestellt von einem Ahmed, Ahmad, Mohammed oder Mahmut. Dabei war es nicht immer ganz einfach, nachzuvollziehen, wer genau jetzt der Anfragesteller war. Eine Agentur, ein Veranstalter oder ein Freund von einem Veranstalter. Oder der Freund eines Freundes, dessen Cousin jemand kennt, der Parties in Kairo veranstaltet. Und alle wollen mitverdienen oder anderweitig einen Vorteil aus der Sache ziehen. Nur, wenn das Event dann leider abgesagt werden muss, sind alle komischerweise nicht mehr erreichbar, überhaupt gar nicht verantwortlich oder vielleicht noch gar keine 18 Jahre alt… Daher wiegelten wir nach einer Reihe schlechter Erfahrungen die meisten Anfragen aus Ägypten kategorisch ab.
Dieses Mal schien es ein wenig seriöser zu sein. Ich sollte auf dem 1 Jährigen Jubiläum eines Beach-Clubs in Hurghada spielen. Soweit, so gut, ich also ab in den Ferienbomber von Air Berlin ans Rote Meer. Angekommen am Flughafen spuckte der Bus uns bei der „Immigrationhall“ aus und Vater, Mutter, Kind und Baby strömten wie wild in den Eingangsbereich der Ankunftshalle. Man hat ja schließlich Urlaub und will gaaanz schnell und jetzt sofort ans Meer. Ich genau mittendrin stellte fest, dass ich ja nicht wie alle anderen meinen Urlaub pauschal gebucht hatte, sondern der Party-Veranstalter mir den Flug und das Hotel getrennt gekauft hatte. Für Ägypten braucht man ein Visum, welches bei einer Pauschalreise meist im Reisepreis inbegriffen ist und normalerweise von der Reiseagentur direkt vor Ort ausgegeben wird. Also ging ich zu einem der Stände und fragte wo ich denn ein Visum erwerben könnte. Direkt bei ihm natürlich, meinte der Ägypter am Schalter. Es koste nur 25 Euro. Ich wusste allerdings von den letzten Reisen nach Ägypten, dass man nur 15 USD, also ca. 11 Euro, zahlen muss. „…no, no, no…not with me, sir. This is too much…“ sagte ich. Er meinte nur „yes, yes. I’m not lying, my friend. The price is 25 Euro. This is true.“ So ging das hin und her. Am Ende drückte ich ihm die 15 Dollar in die Hand, nahm mir einfach das Visum und klebte es selber in den Pass ein.

Hurghada ist recht weit von Kairo entfernt und so interessierte es hier auch keinen, dass Muhbarak gerade zurückgetreten war und das Land ja eigentlich total in Aufruhr war. Die Deutschen Nachrichten waren voll von den Bildern der Hunderttausende, die auf dem  Tahrir – Platz demonstrierten und sich Straßenschlachten mit der Armee lieferten. Ehrlich gesagt, hatte ich im Vorfeld schon ein wenig Bedenken gehabt nach Ägypten zu fliegen. Am Roten Meer angekommen aber merkte ich schnell, dass es den Leuten hier reichlich egal war, was in Kairo passierte. Hauptsache, die Touristen kommen und die Einheimischen können in Ruhe ihre Sisha rauchen. Naja, auch recht.

Untergebracht war ich praktischerweise 3 Gehminuten vom Strandclub entfernt, in einem Hotel direkt am Meer. Dieses war eigentlich auch ganz nett, bis auf die Tatsache, dass ich wahrscheinlich der einzige westeuropäische Gast im komplett ausgebuchten Haus war. Also, im Urlaub werden die Russen wirklich dem Ruf gerecht, den sie bei uns haben. Viel Wodka am Pool, die Teller im Restaurant voll gehäuft, junge, hübsche Frauen in Begleitung von alten Männern und keine Manieren. Das ist echt komisch, denn in Russland selbst verhalten sie sich nie so. Ist das bei uns Deutschen eigentlich auch so? Aber im Grunde musste ich nur drüber lachen, denn ich war ja insgesamt nur 16 Stunden in dem Hotel.

 

 

 

Der Veranstalter hatte meiner Agentur im Vorfeld 50% der Gage geschickt, den Flug gebucht und das Hotel bestätigt. Also erschien er uns recht seriös. Kurz vor meinem Auftritt wollte ich dann wie vereinbart die zweite Hälfte meiner Gage einsammeln. Gamal, so hieß der Veranstalter, gab mir daraufhin eine Handvoll Euro. „Den Rest sammle ich jetzt ein, fang schon mal an zu spielen“. Ich zählte den Haufen von 5, 10, 20 – Euro-Scheinen zusammen und merkte, dass noch eine nicht zu kleine Summe fehlte. Also, was tun in dem Moment? Über 1000 Gäste tanzten schon vor der Bühne und ich wurde gerade angekündigt. Sch*** drauf, den Rest wird er mir schon geben. Also fing ich an zu spielen und die Party war richtig gut. Sogar ein paar Bekannte aus Kairo, Alexandria und Sharm El Sheik, die ich von früheren Veranstaltungen in Ägypten her schon kannte, waren extra für das Event nach Hurghada gekommen. Als ich fertig war, begab ich mich auf die Suche nach Gamal. Der sprang wie angestochen zwischen Eingang und Bar hin- und her. „Ich sammle gerade den Rest ein. Du nimmst ja auch andere Währungen, oder“, sagte er und drückte mir ein Bündel Geld in die Hand. Englische Pfund, Ägyptische Pfund, Russische Rubel, US-Dollar. Was soll ich damit? Ich kann es jetzt ja nicht wechseln und weiß auch den Kurs nicht. „Wir wechseln das morgen, ok?“ Und dann fing er an, zu rechnen… Irgendwann waren wir ungefähr auf die Summe gekommen, die ich noch zu kriegen hatte.
Tatsächlich holte er mich am nächsten morgen recht pünktlich ab, 25 min. zu spät ist in Ägypten eigentlich noch zu früh. Auf dem Weg zum Flughafen hielten wir im Wechselbüro und natürlich war der Wechselkurs nicht der gleiche, den er am Vorabend im seinem Handy gefunden hatte. Am Ende fehlten 40€. Nicht viel eigentlich, aber da ging es mir um den Grundsatz und ich wollte das Geld natürlich haben. „Tut mir leid, ich habe nicht mehr Geld dabei“. Ja, was soll ich dazu sagen? Ich kann ihm ja nicht seine Uhr nehmen oder seine Schuhe – er hatte nur Flip-Flops an. Außerdem waren wir schon sehr spät und ich verpasste am Ende schier meinen Rückflug.
Eigentlich schade, denn der Aufenthalt war wirklich sehr nett, aber am Ende war da natürlich ein fades Gschmäckle dabei, ich fühlte mich verarscht und in meinen vorhergegangenen Erfahrungen mit Ägyptischen Veranstaltern bestätigt. Und das hat mir den ganzen Trip vermiest.


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